Nationaltorwart Robert Enke tot – Deutschland trauert

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Eine tragische Meldung verbreitete sich gestern Abend gegen 20.30 Uhr unter den Fußballfans. Der Torhüter von Hannover 96 Robert Enke ist tot. Nach Angaben seines Beraters nahm sich der Torhüter der Nationalmannschaft das Leben. Laut Polizei war der achtmalige Nationalspieler gestern Abend gegen 18.25 Uhr von einem Zug erfasst worden. Die Polizei geht bislang von einem Selbstmord aus, auch wenn die genaue Unglücksursache erst noch ermittelt werden muss. Robert Enke warf sich in der Nähe seines Wohnortes an einem Bahnübergang in Neustadt am Rübenberge vor den fahrenden Zug, der ihn mit ca. 160 Stundenkilometern erfasste. Enke war sofort tot. Der Keeper von Hannover 96 hinterlässt eine Ehefrau Teresa und seine 8-Monate alte Adoptivtochter Leila, die das Paar erst im Mai adoptiert hatte. „Wir sind sehr, sehr glücklich und dankbar für diesen kleinen Menschen, der in unser Leben getreten ist, sagte das Ehepaar damals in einer offiziellen Stellungnahme. Robert Enke war glücklich verheiratet. Im Alter von zwei Jahren starb 2006 seine Tochter, die an einem angeborenen Herzfehler schwer erkrankt war. Enke selbst sagte, dass er den Tod aber verarbeitet hätte und ließ sich als Zeichen den Namen seiner Tochter am Handgelenk tätowieren.

Nun wird spekuliert, warum er den Freitod wählte. In den letzten Jahren musste Enke viele Niederschläge hinnehmen. Zuletzt hatte Robert Enke wegen einer bakteriellen Viruserkrankung des Darms 9 Wochen Zwangspause hinter sich. Dadurch verpasste der Keeper von Hannover 96 die entscheidenden Qualifikationsspiele, bei denen er als Nummer 1 im Tor stehen sollte. Bundestrainer Jogi Löw hatte Nationalspieler Robert Enke aber bereits signalisiert, dass seine Chancen weiterhin sehr gut seien, im Kreis der Nationalmannschaft wieder auf die Position 1 im deutschen Tor zu rücken. Sein letzter Einsatz am vergangenen Sonntag gegen den Hamburger SV (2:2) war erst der zweite nach dem langen Ausfall. Fast ein Viertel der Saison, pausierte er gezwungener Maßen. Der Hannoveraner war nach dem Rücktritt von Jens Lehmann im Anschluss an die Europameisterschaft von Löw zur vorübergehenden Nummer eins auserkoren worden.

Die deutsche Nationalmannschaft hatte gestern Abend gerade das Training beendet, als sie von Manager Oliver Bierhoff und Bundestrainer Jogi Löw die schockierende Nachricht erhielten. „Wir alle sind geschockt, uns fehlen die Worte“, äußerte Bierhoff in einer ersten offiziellen Reaktion. Der Präsident von Enkes Arbeitgeber, Martin Kind war auf dem Rückweg von der Sitzung der Deutschen Fußball-Liga (DFL), als er am Flughafen Hannover den schockierenden Anruf erhielt. „Man rechnet ja mit vielem, aber niemals mit sowas“, sagte Kind der WELT. „Ich weiß nicht, warum es und wie passiert ist“, äußerte Kind im Interview. Der 96-Chef ist sich aber sicher, dass es nichts mit Fußball zu tun hat. Kind berichtet weiter, dass Enke „labil war“, das in der Öffentlichkeit aber nie aufgefallen und somit bekannt wurde.

Die deutsche Elf, die seit gestern Abend in Bonn im Hotel „Kameha Grand“ logiert, ist tief bestürzt, es herrscht eine Leere hier im Hotel, äußerten die Jungs. Vormittags stellte Löw und einige Spieler in Herzogenaurach das neue WM-Trikot der deutschen Elf vor, in dem das Team beim Turnier in Südafrika im kommenden Jahr auflaufen wird. Wie die sportliche Leistung der Nationalmannschaft im Hinblick auf die Vorbereitung auf das bevorstehend Länderspiel am Samstag in Köln gegen Chile vorgehen wird, blieb gestern Abend zunächst ungewiss. Heute Morgen ist eigentlich um 10.30 Uhr Training im Sportpark Nord in Bonn angesetzt. Eigentlich sollten von Anfang an Kamerateams, Fotografen und Reporter zugelassen sein. Für 12.30 Uhr ist bei der Deutschen Telekom in Bonn eine Pressekonferenz anberaumt. Der DFB ließ offen, ob sich der Bundestrainer Löw oder Teammanager Bierhoff dann äußern werden. Ob am Samstag das Freundschaftsspiel gegen Chile von der deutschen Nationalmannschaft nun bestritten wird, ist ebenfalls unklar.

Viele Fans versammelten sich gestern Abend vor der Geschäftsstelle des Bundesligisten Hanover 96 in Gedenken an Robert Enke. Sie gedachten dem Spieler mit einem Kerzenmeer, schmückten die Geländer mit Trikots und Fan-Schals. Man trug sich ins Kondolenzbuch ein und spekulierte über die Gründe des gewählten Freitodes des Spielers. Sie erschienen teilweise in Trikots ihrer Mannschaft vor dem Stadion der Hannoveraner und weinten, denn Robert Enke war nicht nur Vorbild, sonder eine ganz große Persönlichkeit, eine Lichtgestalt als Sportsmann, so eine Stellungnahme der Polizei Hannover. Fans äußerten die Leere, die Unfassbarkeit des tollen Sportmanns. Eine nicht zu füllende Lücke bleibt in Hannover.

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