Erste deutsch-türkische Ministerin vereidigt

Seit heute hat Deutschland seine erste deutsch-türkische Ministerin. Es ist die 38jährige 1971 in Hamburg geborene Juristin Aygül Özkan, die bisher Bürgerschaftsabgeordnete in Hamburg war. Seit heute ist sie die neue Sozialministerin des Landes Niedersachsen und wurde als solche auch vereidigt. Die Frage ist nun, ob an Deutschland diese Vereidigung so vorübergegangen wären, wenn die designierte Sozialministerin nicht im Vorfeld ihrer Vereidigung schon für Schlagzeilen gesorgt hätte, die die Gemüter erregt. Kritisiert hatte die der CDU (der Christlich Demokratischen Union) angehörende Özkan nämlich das Hängen war, dass sich die Politikerin auch entschieden gegen das Tragen von Kopftüchern aussprach und damit eigentlich eine multikulti – von der Religion her neutrale – Gesellschaft propagierte.

Zu den Äußerungen der Politikerin kam es im Rahmen von einem Interview mit der Zeitschrift “Focus”. Und da war es wieder das schon seit langer Zeit sehr heikle Thema ob nun christliche Symbole wie das Kruzifix etwas in staatlichen Schulen zu suchen hat oder nicht. Schon früher gab es vor allem in den Hochburgen der Katholiken Bayern und Baden-Württemberg aber auch in Nordrhein-Westfalen, wo in Kürze Landtagswahlen stattfinden, hierüber scharfe Diskussionen. Kurz nach dem Interview gab es dann auch schon die ersten Attacken gegen Aygül Özkan. Diese kamen von der bayrischen CSU. Später stellte die CDU/CSU-Kirchenbeauftragte Maria Flachsbarth klar, dass das Kreuz einen “selbstverständlichen Platz in der Öffentlichkeit” habe in Deutschland. Die Integrationsbeauftragte Maria Böhmer erklärte schließlich aus dem Kanzleramt, dass die Kreuze ein Ausdruck einer jahrhundertealten christlichen Tradition sei. Gleichzeitig nannte sie aber auch die Ernennung der ersten türkischstämmigen Ministerin “richtungsweisend”. In die durch dieses Interview entfachte Debatte schaltete sich am Montagmittag schließlich auch noch Bundeskanzlerin Merkel sein und ließ über einen Regierungssprecher verlauten, dass sie die Sache genauso sehe wie die Integrationsbeauftragte Maria Böhmer. Allgemein ist das Thema Kruzifixe in Klassensälen ein sehr heikles Thema. Merkel hat seit 2009 einerseits ein gespanntes Verhältnis zu den Katholiken, weil sie Papst Benedikt wegen der Absicht, einen Holocaust-Leugner als Bischof wieder aufzunehmen, recht rüde abkanzelte. Andererseits ist man natürlich auch bemüht die vielen Muslime in Deutschland endlich – nachdem diese teilweise auch schon in dritter Generation hier leben – endlich zu integrieren in die deutsche Gesellschaft. Auch bemüht man sich offiziell um ein gutes Verhältnis zur Türkei.

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