Kaffeekartell enttarnt
By Schleussner on Dez 27, 2009 with Kommentare 0
Zu Weihnachten ist er wieder reichlich getrunken und auch verschenkt worden – Kaffee von Tchibo, Melitta und Dallmayr. Und das vor dem Hintergrund, dass schon vor Weihnachten das Bundeskartellamt einschritt und eben diesen drei großen deutschen Kaffeeröstern illegale Preisabsprachen vorwirft. Danach sollen die Verbraucher nach Berechnungen von Verbraucherschützern fast fünf Milliarden Euro zu viel gezahlt haben. Tchibo sagt dazu, dass die angeführte Summe sich jeder Grundlage entbehre. Dabei sollen Tchibo, Melitta und Dallmayr bereits schon seit Jahren Preisabsprachen getroffen und so die Kaffeepreise nach oben getrieben haben. Man forderte seitens der Verbraucherschüzter gegen Tchibo, Melitta und Dallmayr drakonische Strafen. Die Verbrauchzentrale Hamburg wollte sogar, dass die Kaffeerösterriesen das zu Unrecht abkassierte Geld an die Verbraucher zurückzahlen sollen. Das Kartellamt reagierte entsprechend den Beweisen und verurteilte die drei großen Kaffeeröster wegen illegaler Preisabsprachen zu einer Geldbuße in Millionenhöhe. Tchibo, Melitta und Dallmayr müssen 159,5 Millionen Euro zahlen. Doch der Bescheid ist noch nicht rechtskräftig. Und wie Melitta mitteilte, will das Unternehmen gegen die Entscheidung Rechtsmittel einlegen. Und zwar habe man erhebliche verfassungsrechtliche Zweifel an der Höhe des Bußgeldes. Auch Tchibo teilte inzwischen mit, dass man gegen den Bußgeldbescheid Einspruch einlegen wolle.
Die Preisabsprachen sollen bereits schon seit 2000 durch die Kaffeeröster betrieben worden sein. Die erste Durchsuchung der Unternehmen fand im Juli 2008 statt. Betroffen von den Preisabsprachen waren alle wichtigen Produkte wie Filterkaffee, Espresso und auch Kaffeepads. Einer der Preiserhöhungen, die sehr markant und auffällig waren, waren die im im Dezember 2004 und im April 2005, die bei allen drei Kaffeeröstern durchgeführt wurden. Damals stiegen die Verbraucher- und Aktionspreise für Röstkaffee von durchschnittlich mehr als einem Euro je 500-Gramm-Packung. Außer gegen Tchibo, Melitta und Dallmayr werden noch gegen sieben weitere Firmen seit Januar 2009 ermittelt. Der Ausgangspunkt für die Aufdeckung des Kaffeekartells war offenbar eine Durchsuchung in der Deutschland-Zentrale von Kraft Foods, die schon im Februar 2008 stattfand. Damals fahndete man allerdings nur nach Beweisen für ein Schokoladenkartell unter Süßwarenproduzenten und stieß wohl nur zufällig auf die Kaffeeröster, denn die Aktion hatte allem Anschein nach die Kraft Manager so aufgeschreckt, dass diese Selbstanzeige beim Bundeskartellamt erstatteten. Der Lebensmittelkonzern geht nun in diesem Verfahren straffrei aus.
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